Was ist Polysomnographie?
Schlaf ist ein komplexer Vorgang, bei dem Gehirn und Körper mehrmals pro Nacht verschiedene Stadien durchlaufen — Leichtschlaf, Tiefschlaf und Traumschlaf (REM-Schlaf). Da sich die meisten Schlafstörungen nur im Schlaf zeigen, können Untersuchungen am Tag sie nicht vollständig erfassen. Die Polysomnographie (PSG) zeichnet die ganze Nacht über zahlreiche Körperfunktionen gleichzeitig auf, um die Schlafstruktur und die im Schlaf auftretenden Probleme sichtbar zu machen.
Die wichtigsten aufgezeichneten Werte sind:
- EEG: Hirnströme zur Bestimmung der Schlafstadien
- EOG: Augenbewegungen zur Erkennung des REM-Schlafs
- Kinn-EMG: Muskelspannung
- Atemfluss: Atmung durch Nase und Mund
- Atemanstrengung: Gurte um Brust und Bauch
- Sauerstoffsättigung: Fingersensor
- EKG: Herzrhythmus
- Bein-EMG: Beinbewegungen im Schlaf
- Schnarchen, Körperlage und Video
Die Schlafspezialistin wertet diese Aufzeichnungen ausführlich aus, um zu bestimmen, wie lange und wie effizient Sie geschlafen haben, wie lange Sie in jedem Stadium waren, wie oft der Schlaf unterbrochen wurde, wie viele Atemereignisse auftraten, wie tief der Sauerstoff fiel und ob ungewöhnliche Bewegungen oder Verhaltensweisen vorkamen.
Warum die Schlafstadien wichtig sind
Der Schlaf verläuft in Zyklen von etwa 90 Minuten: Leichtschlaf (N1, N2), Tiefschlaf (N3) und REM-Schlaf. Tiefschlaf ist für die körperliche Erholung wichtig, REM-Schlaf für Lernen, Gedächtnis und emotionales Gleichgewicht. Störungen wie die Schlafapnoe zerstückeln Tief- und REM-Schlaf — deshalb wachen Betroffene trotz langer Bettzeit unerholt auf.
Wann wird die Untersuchung durchgeführt?
- Schnarchen, Atemaussetzer und Tagesmüdigkeit (Verdacht auf Schlafapnoe)
- Ermittlung des richtigen CPAP- oder BiPAP-Drucks (Titration)
- Anhaltende Tagesmüdigkeit trotz Behandlung
- Unwiderstehliche Schlafattacken am Tag (Verdacht auf Narkolepsie — zusammen mit dem MSLT)
- Ausleben von Träumen, Schreien oder Stürze aus dem Bett (REM-Schlaf-Verhaltensstörung)
- Wiederholtes Zucken der Beine und unruhiger Schlaf
- Ungewöhnliches Verhalten im Schlaf wie Schlafwandeln oder Nachtschreck
- Unerklärliche Schlaflosigkeit bei Verdacht auf eine andere Schlafstörung
- Nächtliche Episoden, die von einer Epilepsie abgegrenzt werden müssen
Wer braucht Polysomnographie?
Eine Polysomnographie ist für jeden möglich — vom Kind bis zum älteren Menschen. Die Entscheidung trifft eine Schlafspezialistin nach Beurteilung der Beschwerden. Herz- und Lungenerkrankungen, neurologische Erkrankungen oder ein früherer Schlaganfall sind kein Hindernis — Schlafstörungen sind in diesen Gruppen sogar häufiger.
Arten der Untersuchung
- Diagnostische Polysomnographie: ganze Nacht zur Diagnose und Schweregradbestimmung
- CPAP-Titration: Nacht mit CPAP-Gerät zur Ermittlung des optimalen Drucks
- Split-Night: wird in der ersten Nachthälfte eine schwere Schlafapnoe festgestellt, erfolgt in der zweiten Hälfte die CPAP-Titration
- Multipler Schlaflatenztest (MSLT): bei Verdacht auf Narkolepsie — Untersuchung am Tag mit mehreren kurzen Schlafgelegenheiten nach der Nachtmessung
Polysomnographie bei neurologischen Erkrankungen
Schlafstörungen sind bei Parkinson-Krankheit, Demenz, Schlaganfall, Epilepsie und neuromuskulären Erkrankungen häufig — und werden oft übersehen. Eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung kann ein frühes Zeichen der Parkinson-Krankheit sein; Schlafapnoe ist nach Schlaganfall sehr häufig, und neuromuskuläre Erkrankungen können nächtliche Atemprobleme verursachen. Bei diesen Patienten ist die Schlafuntersuchung ein wichtiger Teil der neurologischen Versorgung.
Vorbereitung
- Verzichten Sie ab dem Nachmittag auf Kaffee, Tee, Cola und Energydrinks
- Trinken Sie keinen Alkohol — er verändert Schlaf und Atmung
- Versuchen Sie, tagsüber nicht zu schlafen
- Waschen Sie Ihre Haare; verwenden Sie keine Spülung, kein Gel oder Öl
- Entfernen Sie Nagellack oder künstliche Nägel von mindestens einem Finger (für den Sauerstoffsensor)
- Bringen Sie bequeme Schlafkleidung und Hygieneartikel mit
- Nehmen Sie Ihre üblichen Medikamente, sofern nichts anderes besprochen wurde, und bringen Sie eine Liste mit
- Essen Sie vor der Ankunft zu Abend
Wie läuft die Untersuchung ab?
- Sie kommen am Abend ins Schlaflabor und beziehen ein hotelähnliches Einzelzimmer
- Die Schlaftechnikerin bringt die Sensoren an: kleine Elektroden an Kopfhaut und Gesicht, elastische Gurte um Brust und Bauch, einen Atemflusssensor an der Nase, einen Sauerstoffsensor am Finger und Elektroden an den Beinen
- Das Anbringen dauert etwa 45–60 Minuten und ist schmerzfrei
- Es folgen einige einfache Kalibrierungsschritte (Augen öffnen und schließen, tief atmen)
- Das Licht wird gelöscht, Sie schlafen zur gewohnten Zeit ein, und die Aufzeichnung läuft die ganze Nacht
- Die Technikerin beobachtet die Aufzeichnungen und die Kamera aus einem anderen Raum und hilft Ihnen, wenn Sie zur Toilette müssen
- Am Morgen werden die Sensoren entfernt, und Sie fahren nach Hause oder zur Arbeit
Viele Menschen befürchten, im Labor nicht schlafen zu können. In der Praxis schlafen die meisten ausreichend für eine Diagnose, wenn auch nicht so gut wie zu Hause. Schon einige Stunden Schlaf liefern wertvolle Informationen.
Dauer, Befund und Aufenthalt in Istanbul
In der Regel kommen Sie zwischen 20 und 21 Uhr und gehen zwischen 6 und 7 Uhr. Da die Aufzeichnung von einer Schlafspezialistin in 30-Sekunden-Abschnitten ausgewertet wird, dauert die Befunderstellung einige Tage.
Für Patienten aus dem Ausland können Untersuchung und Polysomnographie für einen zweitägigen Aufenthalt in Istanbul geplant werden; ist zusätzlich eine CPAP-Titration nötig, kann eine dritte Nacht hinzukommen. Befund und Behandlungsplan werden bei einer Kontrolle oder per Videogespräch auf Deutsch besprochen.
Nach der Untersuchung
- Nach Entfernung der Sensoren können Sie duschen und Ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen
- Die Elektrodenpaste lässt sich leicht mit warmem Wasser und Shampoo entfernen
- Besprechen Sie den Befund bei der Kontrolle mit Ihrer Ärztin
Was der Befund enthält
Gesamtschlafzeit, Schlafeffizienz, Einschlafzeit, Anteil der einzelnen Stadien, Zahl der Wachphasen, Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), niedrigster Sauerstoffwert und Zeit mit niedrigem Sauerstoff, Schnarchen, Veränderungen je nach Körperlage, Herzrhythmus und periodische Beinbewegungen. Auf Grundlage dieser Ergebnisse wird die Behandlung geplant.
Risiken und Sicherheit
Die Polysomnographie ist völlig schmerzfrei und sicher; es werden keine Nadeln und keine Strahlung verwendet. Der Elektrodenkleber kann bei empfindlicher Haut zu leichter Rötung führen. Manche Menschen haben in der ersten Stunde mit den Sensoren Mühe einzuschlafen, was aber selten ein verwertbares Ergebnis verhindert.
Häufige Fragen: Polysomnographie
Tut die Schlaflaboruntersuchung weh?
Nein. Es werden keine Nadeln verwendet; alle Sensoren werden auf die Haut geklebt oder mit Gurten befestigt. Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei.
Was ist, wenn ich im Labor nicht schlafen kann?
Die meisten Menschen schlafen ausreichend für eine Diagnose, auch wenn nicht so gut wie zu Hause. Schon einige Stunden Schlaf liefern wertvolle Informationen. Sehr selten muss die Untersuchung wiederholt werden.
Kann die Untersuchung zu Hause gemacht werden?
Bei ausgewählten Patienten können einfachere Heimuntersuchungen der Atmung (Polygraphie) eingesetzt werden. Sie erfassen jedoch keine Hirnströme, zeigen die Schlafstruktur nicht und können eine leichte Schlafapnoe übersehen.
Soll ich in der Untersuchungsnacht meine Medikamente nehmen?
Nehmen Sie Ihre üblichen Medikamente, sofern nichts anderes besprochen wurde. Teilen Sie uns vorab mit, wenn Sie Schlaf- oder Beruhigungsmittel nehmen, da manchmal eine Anpassung nötig ist.
Kann jemand bei mir übernachten?
Erwachsene brauchen meist keine Begleitung, da die Technikerin die ganze Nacht die Aufzeichnung überwacht. Bei Kindern oder pflegebedürftigen Patienten kann eine Begleitperson bleiben.
Wann erhalte ich das Ergebnis?
Die Aufzeichnung wird von einer Schlafspezialistin ausführlich ausgewertet; der Befund liegt meist nach einigen Tagen vor und wird bei der Kontrolle erklärt.
Was ist eine CPAP-Titration?
Eine Schlafuntersuchung, bei der Sie mit einem CPAP-Gerät schlafen, um den Druck zu finden, der die Atemaussetzer verhindert. So wird das Gerät individuell für Sie eingestellt.
Was ist der Unterschied zwischen Polysomnographie und EEG?
Das EEG zeichnet nur die Hirnströme auf, meist für kurze Zeit. Die Polysomnographie erfasst die Hirnströme zusammen mit Atmung, Sauerstoff, Herzrhythmus und Bewegungen über die ganze Nacht.
Kann ich direkt nach der Nacht weiterreisen?
Ja, sofern Sie sich ausgeruht fühlen. Wenn Sie in der Nacht wenig geschlafen haben, sollten Sie am Folgetag nicht selbst lange Strecken fahren.
Werden die Videoaufnahmen gespeichert?
Die Videoaufzeichnung ist Teil der medizinischen Dokumentation und dient der Auswertung von Bewegungen und Verhalten im Schlaf. Sie wird vertraulich behandelt und nur vom behandelnden Team eingesehen.
Muss ich am Abend der Untersuchung nüchtern sein?
Nein. Essen Sie normal zu Abend, verzichten Sie aber am Nachmittag und Abend auf Koffein und Alkohol.
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Untersuchung. Für Diagnose und Behandlung wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt. Behandlungsergebnisse sind individuell verschieden.

